Sonntag, 9. Februar 2014

the beginning of something new- 2



Plötzlich holt mich ein Hüsteln zurück in die Gegenwart. Erschreckt reiße ich die Augen auf. Das Bild ist verschwommen. Um mich zu ordnen, lasse ich meinen Blick gleiten. Ich stehe ein Stückchen in dem großen Ballsaal.. Der Butler links neben der Flügeltür ist verschwunden. Sowie die ganzen Gäste. Ich bin wieder alleine. Intuitiv blicke ich an mir hinab und habe wieder mein weißes Kleid von vorhin an. Meine Fantasie ist erstaunlich groß und vielseitig. Ich bin erstaunt, zu was ich alles fähig bin. Es war alles so echt. Und die Musik erst, die wunderschöne Melodie, die ebenfalls verstummt ist.
Ein weiter Hüsteln lässt meinen Blick nochmals hochschrecken. Erst jetzt entdecke ich den schwarzen Flügel, der an der Seite des sonst so leeren Raumes steht. Davor steht ein Junge. Groß, muskulös. Anmutig. Mit einem schwarzen T-Shirt und enger Jeans. Die wuscheligen braunen Haare sehen so weich aus. Mein Blick aber wird von diesen wundervollen goldenen Augen gefangen genommen. Erst jetzt arbeitet mein Bewusstsein richtig. Plötzlich trifft mich die Erkenntnis vor wem ich stehe. Ich stehe vor dir. Schon immer haben mich diese Augen in den Bann genommen, deine Augen. Du lächelst mich herzlich an, natürlich hast du mich schon sofort wiedererkannt, und ich bin verzaubert.
„Hallo Esther. Wow, wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen. Du bist aber groß geworden...“, während er mit mir redet, kommt er auf mich zu. Jetzt steht er direkt vor mir, beugt sich noch näher zu mir und fährt fort: „...und hübsch.“
Er ist wirklich männlich geworden in all den Jahren. Irgendwie krächze ich Wörter heraus: „Oh, hallo Henry. Ehm, ja schon lange her.“
„Was machst du denn hier?“
„Bin auf dem Geburtstag deines Vaters.“ Immernoch kann ich der Konversation nicht ganz folgen. Die ganze Situation kommt mir so unecht vor.
„Nein. Ich meinte hier oben.“ So langsam, scheint mein Wortschatz sich doch zu melden.
„Achso. Ich wollte mich mal umsehen. Unten war es irgendwie langweilig. Was machst du denn hier?“
„Ehm, nunja...“ Ich scheine dich aus der Fassung gebracht zu haben. Du senkst den Blick und zeigst auf den Flügel.
„Du willst Klavier spielen? Was hält dich davon ab?“
„Du.“
„Oh, dann gehe ich mal wieder. Damit du spielen kannst.“
„Nein. Ich habe schon gespielt. Aber ich wurde unterbrochen.“
Nur langsam verstehe ich was er meint. Die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag. Wie konnte ich das nicht kapieren?
„Oh. Die schöne Musik kam von diesem Flügel, auf dem du eben gespielt hast?“
„Du fandest es schön?“, deine Augen fokusieren mich. Sie leuchten aufeinmal auf.
Ich umgehe deine Frage. Peinlich berührt, überkommt mich der Drang, schnellstmöglichst von hier zu verschwinden. Ich hatte dich erwischt, wie du deine Seele preisgabst. Obwohl wir einmal so vertraut waren, scheinen wir nun umso entfernter. Ich schäme mich, in eine intime Situation wie diese hereingeplatzt zu sein.
„Entschuldige. Ich wollte dich wirklich nicht stören.“, schnell renne ich los, weg von hier. Weg von dir. Deine Rufe „Warte Esther. Bleib hier.“ lasse ich hinter mir. Sie verhallen unerwiedert. Ich hoffe nur, du folgst mir nicht.
Zurück bei der Feier, lasse ich mich außer Puste auf meinem Platz nieder. Die Gäste sind immernoch angeregt in ihre Gespräche vertieft. Es scheint nicht viel Zeit vergangen zu sein. Niemand hat mich vermisst. Ich bemerke den fragenden Blick meiner Schwester. Ich versichere ihr, dass alles gut ist. Meine Gedanken schweifen wieder zu dem Ballsaal, zu dem Klavierstück und zu dir. Als ich das bemerke, schiebe ich sie schnell beiseite. Ich versuche an etwas anderes zu denken.
Kurze Zeit später kommt die Gastgeberin wieder zu mir. „Na Esther, hast du dich genug umgesehen? Hast du etwas Neues entdeckt? Ich hoffe, das Haus gefällt dir immer noch?!“.
„Oh ja, es ist wunderschön. Ein so kostbares Erbe. Hoffentlich bleibt es der Familie noch lange erhalten.“, antworte ich aufrichtig.
„Ja, das hoffe ich auch. Schau mal. Hier ist noch jemand, den du unbedingt sehen solltest.“
Hinter ihr tritt jemand hervor. Jemand mit schwarzem Schirt und enger Jeans. Jemand mit braunen Haaren und leuchtend goldenen Augen.
„Oh, wir sind uns schon begegnet. Mama.“
Galant übergeht sie diesen Kommentar von ihrem Sohn und sagt: „Nunja. Ihr habt euch schon so lange nicht mehr gesehen. Ihr seid älter geworden. Sicher habt ihr euch einiges zu erzählen. Ich lasse euch mal alleine.“ Damit lässt sie uns alleine. So alleine, wie man eben mit einem Raum voller Leute sein kann.
„Hi“, sagst du mit einer tiefen angenehmen Stimme.
„Hi“, antworte ich dir.
Wir stehen uns gegenüber, schauen uns tief in die Augen. Als du mich anlächelst, breitet sich eine wohlige Wärme in mir aus. Ich kann gar nicht anders als zurückzulächeln.


Kommentare:

  1. gibt es noch mehr teile davon?
    jetzt will ich auch wissen wie es weiter geht :)

    AntwortenLöschen
  2. Würde mich auch interessieren wie es weiter geht :)
    Du kannst echt super schreiben! - weiter so
    lg Darlene ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. oh dankeschön :)
      Nun ja, eigentlich hatte ich ein offenes Ende vorgesehen. Aber ich werde mich doch nochmal dransetzen :)

      Löschen