Donnerstag, 27. März 2014

the beginning of something new - 5




Ich erzähle niemandem von dem Vorfall. Meine Freundinnen schaffen es mich abzulenken und ich will uns allen die Stimmung nicht vermiesen. Zwei Tage sind nun vergangen. Es ist Montagabend, ich sitze an meinen Hausaufgaben. Meine Motivation habe ich noch nicht gefunden, weshalb ich mich leicht ablenken lasse. Mein Blick schweift in meinem Zimmer umher. Neben meinem Schreibtisch ist ein Bücherregal. Als ich die Titel lese, erinnere ich mich an meine Kindheit. Früher hat meine Mutter Rita mir und meiner Schwester immer abends vorm Bettgehen ein Buch vorgelesen. Ich mag ihre Stimme noch immer. Sanft und beruhigend, passend zum Einschlafen. Oder motivierend, wenn ich mal wieder verzweifelt an den Hausaufgaben sitze und nicht weiter weiß. Sie ist die Letzte, die ihre Hoffnung an mich nicht aufgibt. Heute ist sie nicht da. Sie ist mit meiner Schwester Anne zu der Familie von Herny. Eulenberger heißen die mit Nachnamen. Anne ist zu ihrer Freundin und Mama wollte die alte Freundschaft zu Henrys Mutter Marianne auffrischen. Die beiden haben sich lange nicht mehr gesehen. Außer an dem letzten Geburtstag. An das Haus oder die Familienmitglieder wollte ich heute allerdings keinen Gedanken verschwenden. Also muss ich mich davon ablenken. Bleiben doch nur die Hausaufgaben. Irgendwie ironisch, denn genau von denen wollte ich mich doch ablenken. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als mein Mathebuch aufzuschlagen. Plötzlich ertönt der SMS-Ton meines Handys. Ich bin froh für noch eine kleine Ablenkung. Ich stehe auf, gehe zu meinem Bett und entsperre mein Handy. Auf dem Display wird eine neue Nachricht von einer unbekannten Nummer angezeigt. Wer schreibt mir eine SMS?, diese Frage stelle ich mir, als ich die Nachricht öffne. Ich lese sie durch und bin erstarrt.


Liebe Esther, es tut mir Leid wegen Samstag.
Ich hätte nicht danebenstehen sollen. Ich würde es dir gerne erklären.
Können wir uns treffen? LG Henry

Mit offenem Mund starre ich die Nachricht an. Was sollte das denn schon wieder? Woher hast du meine Handynummer? Und was fällt dir ein, soetwas zu schreiben?
Ich will sofort zu dir rennen und dir alles mögliche an den Kopf werfen. Ich brauche keine Erklärung. Auf ein Gespräch kann ich verzichten. Das Feuer breitet sich in mir aus. Meine Gedanken rasen. Ich will dir wehtun. So, wie du mir wehgetan hast, mich bloßgestellt hast, mich verleugnet hast. Rasend vor Wut wähle ich deine Nummer. Du meldet dich mit deinem Namen und ich fange sofort an zu schimpfen: "Was denkst du dir eigentlich? Denkst du wirklich, dass eine SMS alles wieder gut machen kann? Oh nein, so einfach geht es nicht. Weißt du was? Du hast dich wirklich verändert. Ich dachte, ich kenne dich. Aber das stimmt in Wahrheit nicht. Ich kann auf dich verzichten. Du hast ja genug Freunde. Tolle Freunde hast du dir übrigens ausgesucht. Tschüss Henry!", schnell lege ich auf. Du versuchst zurückzurufen aber ich gehe nicht dran. So sehr ich es wollte, ich brauche dich nicht. Was ich dir gesagt habe, war zwar nur die halbe Wahrheit. Aber mein Stolz verbot mir zuzugeben, dass ein Teil von mir, dir eine Chance geben will, alles zu erklären. Trotzdem stelle ich mir Fragen. Wie kann jemand gleichzeitig so nett und so fies sein? Ich kenne dich wirklich nicht. Du hast dich sehr verändert. Das muss ich wohl akzeptieren, so schwer es mir auch fällt.
Am späteren Abend lasse ich mir nochmal alles durch den Kopf gehen und bereue, dass ich dich angerufen habe. Du solltest es nicht so gesagt bekommen. Vielleicht war ich auch zu hart. Um mein schlechtes Gewissen zu bessern, schreibe ich meinen zwei Freundinnen "sos, skypen?"
Sofort kommt die Antwort "ja" und ich setze mich an meinen Laptop. Als ich die beiden Gesichter von Sabrina und Jule auf dem Bildschirm sehe, fange ich sofort an zu erzählen. Und zwar von Anfang an. Wie ich dich zum ersten mal wieder sah, die Sache auf der Eisbahn, die SMS und der Anruf von mir eben. Sie hören mir schweigend zu und trösten mich mal hier mal da.




Kommentare:

  1. ohhh ich lese immer und will danach direkt weiterlesen
    das ist so schlimm immer nur einen teil zu lesen
    wäre es ein buch - ich würde es an einem wochenende verschlingen :)

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    1. danke :)
      tut mir echt Leid aber anders bekomme ich es nicht hin.

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  2. Wieder ein super toller Teil!
    Ich freue mich echt immer wieder einen neuen zu lesen, das abwarten ist wirklich schlimm ;)
    Du kannst das echt gut,

    Liebe Grüße,
    Lisa

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  3. Hallo,
    ich habe dich für den "Liebster Blog Award" nominiert! Würde mich freuen, wenn du teilnimmst :)
    Hier findest du alle Infos : http://pink-and-rosy.blogspot.de/2014/04/liebster-award.html

    Liebe Grüße
    Rosy :)

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