Mittwoch, 16. April 2014

the beginning of something new - 6


Am nächsten Tag sitze ich abends vor dem Fernseher. Mein Handy liegt neben mir und vibriert auf einmal. Ich schaue drauf und lese deinen Namen. Es klingelt weiter. Ich will nicht abheben. Habe ich dir nicht deutlich klar gemacht, dass ich dich nicht sehen will? Vielleicht fühlt sich ein kleiner Teil von mir auch schuldig, weil ich so wütend war. Dieser Teil will nicht mit dir reden, weil ich mich dann entschuldigen müsste. Dazu bin ich nicht bereit. Also starre ich auf den Fernseher und bekomme gar nicht so richtig mit, was läuft. In meine Ohren drängt nur das Vibrieren, das irgendwann aufhört. Gut, er hat es aufgegeben.
Den Anruf verdränge ich aus meinen Gedanken, sodass ich den restlichen Abend an alles Mögliche denke, nur nicht an das. 

 
Noch ein weiterer Tag vergeht. In der Schule verabrede ich mich wieder mit meinen Freundinnen. Nach der Schule gehen wir drei zu Jule nach Hause. Ihre Eltern sind noch arbeiten, das bedeutet, wir sind alleine zu Hause. Voller Freude machen wir drei uns zum Mittagessen Pizza selbst. Zum Glück müssen wir heute keine Hausaufgaben machen, weshalb wir erst länger als nötig in der Küche sitzen, dann in Jules Zimmer gehen und über alles Mögliche reden. Irgendwann kam der Moment, in dem wir uns peinliche Geschichten aus der Vergangenheit erzählen. Auch wenn wir sie schon kennen, sind wir dauerhaft am Lachen. Natürlich kommen viele Geschichten aus unserer Kindheit. In einem Lachanfall sagt Sabrina: „Esther, mir fällt gerade wieder eine Geschichte ein. Du hast doch mal erzählt, dass du als kleines Kind bei Henry im Bett geschlafen hast. Du hattest so Angst im Dunkeln und er wollte dich beschützen. So süß. Aber es war wohl so gemütlich, dass du sehr tief schlafen konntest. Hast du nichtmal gesagt, dass du im Schlaf geschnarcht und gesabbert hast?“
Beide verfallen in schallendes Gelächter. Ich nicht. Ich finde das gar nicht lustig. Eigentlich wollte ich dich aus meinen Gedanken verbannen. Erst jetzt fällt mir wieder dein Anruf von gestern Abend ein. Als meine Freundinnen mich anschauen, ist erst ein Fragezeichen in ihrem Gesicht zu sehen. Langsam kommt die Erkenntnis und sie blicken beide zu Boden. Toll, die Stimmung ist jetzt also am Tiefpunkt. Von jetzt auf gleich, kann sich die Atmospäre so schnell ändern. Plötzlich klingelt mein Handy. Ich blicke darauf und lasse es weiterklingeln, was meinen Freundinnen einen skeptischen Blick entlockt. Na toll, das hat mir jetzt noch gefehlt,denke ich. Viel zu schnell reißt Jule mir das Handy aus der Hand, ich kann gar nicht reagieren, da sagt sie schon: „Aha. Henry. Was für ein Zufall, dass er gerade jetzt anruft. Wieso gehst du nicht ran?"
„Gestern bin ich auch nicht dran gegangen. Ich will ihn nicht sehen."
„Gestern?", fragen beide gleichzeitig. Sabrina redet alleine weiter:"Er hat dich drei Tage hintereinander versucht zu erreichen. Der ist aber hartnäckig. Esther, vielleicht solltest du ihn doch treffen. Es scheint ihm wichtig zu sein."
„Ich weiß nicht. Ich mein, was wird der denn jetzt von mir denken? Erst heul ich rum und dann schrei ich ihn noch an."
„Tja. Wenn du ihm aus dem Weg gehst, wirst du es nie erfahren."
Mittlerweile ist der Klingelton verstummt.
„Ich will lieber nicht mehr darüber reden." versuche ich abzulenken. Doch Jule stimmt Sabrina zu: „Jetzt, weich nicht aus. Du solltest dich damit auseinandersetzen. Wir beide sind dafür, dass du ihm eine Chance gibst. Was spricht denn dagegen, dass ihr euch trefft?"
Ich schweige lange, bevor ich sage: „Vielleicht mache ich mir dann zu viele Hoffnungen. Ich will von ihm nicht nocheinmal enttäuscht werden, das hat er letztens schon geschafft. Ich hatte damit einfach nicht gerechnet, umso enttäuschter war es ja."
„Ach süße.", beide streichen mir über mein Haar und wollen mich aufmuntern. Ich bin froh, dass das jetzt gesagt ist. Es stimmt, ich würde dich liebend gerne wiedersehen. Aber ich habe Angst davor. Wie es sein wird und wie es werden wird.
„Du solltest das Risiko eingehen. Vielleicht wirst du nicht enttäuscht sondern erfreut sein. Ruf ihn gleich zurück." fordert mich Sabrina auf und hält mir mein Handy entgegen. Doch ich verschiebe es auf heute Abend. Ich verspreche ihnen, ihn heute Abend anzurufen. Damit lüge ich meine besten Freundinnen an, denn mit großer Gewissheit werde ich es nicht machen aber ich will endlich das Thema wechseln. Ich schaffe es einfach nicht über ihn nachzudenken, meine Gedanken kreisen immer dann wild durcheinander. 


Irgendwie wird die Stimmung nicht mehr so heiter wie vorher. Es herrscht eine unangenehme Anspannung. Und das kann jeder von uns spüren. Deswegen verabschieden wir uns schon am frühen Abend und gehen nach Hause.


Kommentare:

  1. omg es spiegelt mich so wieder
    genauso würde ich reagieren
    kann mich voll mit der hauptperson identifizieren
    kannst du bitte mal ein paar verläge auf deinen blog aufmerksam machen?
    das das als buch gedruckt werden MUSS

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